Tag 10: Ziemlich beste Freunde

Bislang war das Fitness-Training zwar anstrengend, aber zeitlich gut machbar. Etwa 15 bis 20 Minuten dauerten die drei Übungen, dazu bin ich meist noch Laufen gegangen. In 40 Minuten war ich durch.

 

Das hat sich seit Donnerstag geändert. Denn Ilan Dedemoglu hat mein Programm nun deutlich erweitert. Aus drei Übungen wurden acht - und zudem habe ich zwei neue Bekannte: einen kleinen, schwarzen Ball und eine bunte Rolle, jeweils aus hartem Schaumstoff (die Marke heißt übrigens Blackroll).

 

Los geht es mit der Kugel, die unter dem Po platziert wird und auf der man sich dann über die Hüftgelenke und -muskulatur robbt. Dann wird ein wenig gesucht, bis die Schmerzpunkte gefunden sind. Das Ganze ist am Anfang wirklich richtig schmerzhaft, wenn man sich dann aber nach etwa 30 Sekunden bis einer Minute erhebt, fühlt man sich wie neu geboren. Ähnlich ist es mit der Rolle, die man unter dem Oberschenkel positioniert und dann bis zum Knie darüber rollt.

 

Letztlich werden durch die Druckpunkte die Bindegewebe der Muskeln und Muskelgruppen entspannt. Profis wie Bastian Schweinsteiger oder Basketballer Dirk Nowitzki nutzen Blackroll unter anderem. Angeblich lassen die Schmerzen nach mehreren Tagen Nutzung nach. Darauf freue ich mich schon sehr …

 

Zu den drei Übungen für die Flexibilität der Hüfte und des Oberkörpers (Wirbelsäule, Schultern) kamen zudem noch drei weitere hinzu. Zusammen mit den Blackroll-Übungen sind es nun acht, die ich jeden Tag machen soll. Das Programm ist jetzt schon richtig ordentlich.

 

Golf gespielt habe ich am Donnerstag schließlich auch noch. Mit neuem Schwungmuster bei den kurzen Eisen. Am Anfang waren einige Fehler dabei, aber dann lief es richtig rund. Nach einem Doppel-Bogey an der Eins und zwei weiteren verlorenen Bällen auf den Löchern 2 und 3 kam ich mit +8 ins Clubhaus. Langsam wird es Zeit, dass die Scores fallen.

 

 

P.S: Die Überschrift ist natürlich vom gleichnamigen Film geklaut. Wer diesen nicht kennt, sollte ihn sich ansehen. Absolut zu empfehlen! 

Tag 11: Fünf Birdies, aber ein zu hoher Score

Die Runde ging interessant los. Auf der Eins gelang mir das Up-and-down zum Par, auf der zwei ein Sand-Save, nachdem der Putt aus rund sechs Metern im Loch verschwand. Und am dritten Loch lag ein verzogenes 3er Holz schließlich noch einen knappen Meter innerhalb der weißen Pfosten - andernfalls hätte ich gleich einen Ausball kassiert. Der Putt zum Par sah erneut gut aus, lief dann aber haarscharf am Loch vorbei. Wäre auch etwas zu viel Glück gewesen. Nach fünf Löchern war ich zurück auf even Par. Endlich funktionierte die Scoring Clubs, die Wedges aus 80 bis 110 Metern, die mich die letzten Tage einige Nerven gekostet hatten. Auf der vierten Bahn landete der dritte Schlag mit etwas Backspin aus 100 Metern drei Meter hinter der Fahne und der Putt zum Birdie fiel. Manchmal kann Golf so einfach sein.

 

Dafür machten plötzlich die mittleren Eisen Probleme. Das neue Schwungmuster, das mit Christian Neumaier drei Tage vorher gezeigt hatte, kann man zwar auch mit den mittleren Eisen spielen, doch so richtig traue ich mich noch nicht. Daher pushe ich den Ball zu oft nach rechts. Die Löcher 6 bis 8 spielte ich dann sehr maue fünf über Par, ehe ein weiteres Birdie auf der Neun folgte. Konstanz ist etwas anderes, aber zumindest abwechslungsreich war es anzusehen. Das fanden auch meine Mitspieler Martin (Hcp. 14) und Bruno (Hcp. 38), die mir im Rabbit-Turnier zugelost wurden.

 

Der Game-Plan für die zweiten Neun? Attacke! Mit +4 war nicht mehr so viel zu holen. Wenn wollte ich schon mit fliegenden Fahnen untergehen - oder eben unterspielen. Das Par 4 auf der 10 (286 Meter) griff ich mit dem Driver an. Der Pitch aus 30 Metern landete drei Meter neben der Fahne, doch der Putt fiel leider nicht. Das anschließende Par 3 kassierte ich dann wieder ein Bogey. Ach ja: Die Bilanz der drei Par-3-Löcher: fünf über Par. Das war an diesem Tag eher eine Katastrophe. Also wieder den Driver raus. Das Par 5 Nummer 12 ist eigentlich ein klassisches Vorlege-Loch. Normalerweise spiele ich es mit Eisen 8, Eisen 5 und PW. Geht aber auch anders: Der hohe Fade über den Wald ist richtig gut erwischt und landet auf 170 Metern bis zum Grün. Die Fahne steht weit hinten, also nehme ich ein Eisen mehr. Hilft aber alles nichts. Schon wieder ein Push, der Ball bleibt rechts im Wasser hängen. Der Pitch übers Wasser ist dann wieder richtig gut, aber den Par-Putt aus zwei Metern lasse ich zu kurz. Ein blödes Bogey.

 

Das zweitschwerste Loch mit 364 Metern bewältige ich dann wieder mit einem lockeren Birdie: Drive, PW, Putt aus drei Metern rein. Dieser Sport ist manchmal einfach unfair. Der Score ist nur noch schwer zu retten, aber immerhin habe ich gerade das dritte Birdie gespielt; und eins meiner Ziele war schließlich, vier in einer Runde zu spielen. Also Gas geben. Wieder kassiere ich ein Doppel-Bogey. Und dann gleich noch eins, nachdem mein Abschlag im hohen Gras verschwindet. Auf der 16 habe ich eine fast unspielbare Lage im Rough und kann nur quer rausspielen. Der Par-Putt geht dann auch noch daneben.

 

Dafür sieht es auf der 17 gut aus. Das 483 Meter lange Par 5 spielt sich heute lang. Auch dieser Abschlag ist wieder fast ein Steckschuss und kommt nur einen Meter nach dem Einschlag zum liegen. Der Moorboden in Beuerberg ist immer noch nass, nachdem es gefühlt den ganzen Sommer lang immer wieder geregnet hat. Zum Grün sind es noch 230 Meter, zur ganz hinten gesteckten Fahne knapp 250. Und über einen kleinen Teich geht es auch. Aber der Schlag mit dem Holz 3 gelingt und Ball steckt drei Meter vor dem Grün im Boden. Nach einem langen Texas-Wedge bleiben zwei Meter zum vierten Birdie. Martin macht aus einer ähnlichen Situation vor, wie der Putt geht. Auch ich lese das Break richtig, der Ball verschwindet im Loch. Vier Birdies, geht doch.

 

Auf der 18 läuft es dann erneut gut. Der Schlag aus 120 Metern dreieinhalb Meter hinter der Fahne, der letzte Putt findet erneut das Loch. Mir stellt sich aber doch eine Frage: Wie kann man mit fünf Birdies acht über Par spielen? Aber das kläre ich hoffentlich ein andermal.

Die wichtigsten Statistiken dieser Runde:

  • 29 Putts
  • 10/15 Fairway-Treffer
  • 8/18 Grüntreffer
  • 5 Birdies
  • 4 Bälle verloren

Tag 12: Ein erstes Fazit

Am Sonntag wurde noch fröhlich im Heimatclub gezockt, ab dieser Woche stehen endlich ein paar Auswärtstermine auf dem Plan. Am Montag geht es nach einigen Stunden im Büro (ein seltsamer Ort(!) - fühlt sich etwas fremd an) nach Straßlach in den Münchener GC. Am Dienstag werde ich Ex-Profi und mittlerweile Clubmanager Karim Baraka in Riedhof treffen, und am Mittwoch wahrscheinlich in Valley mit meinem Kollegen und Handicap-2-Halbprofi Sebastian Burow abschlagen. Außerdem möchte ich Marco Schmuck und sein Scope-System im GC Olching treffen. Sie sehen: Spannende Golf-Tage liegen vor mir. 

 

Körperlich fühle ich mich nach zwölf Tagen meines Versuchs richtig gut. Das dürfte am Athletik-Training von Ilan liegen. Die Blackroll-Kugel ist täglich im Einsatz, die Mobilitätsübungen versuche ich ebenfalls täglich durchzuführen. Wenn viel neben dem Golfspielen zu tun ist, kommt es aber ab und an auch zu einer Kurzversion vor dem Einspielen. Das Beste daran: Meinem Rücken (Bandscheibenvorfall L4/L5 vor einigen Jahren) geht es blendend, auch sonst habe ich keinerlei Beschwerden.

 

Spielerisch ist es nicht ganz so einfach. Aktuell würde ich mein Golfspiel wie folgt einstufen (Schulnoten):

 

  • Drives: 2
  • Lange Eisen: 2
  • Mittlere Eisen: 3
  • Kurze Eisen: 2 (dank Christian Neumaier)
  • Chippen: 4
  • Bunker: 2
  • Putts: 1

 

Die mentale Einstellung ist durch das Vielspielen auch besser geworden. Angstschläge habe ich aktuell keine. Alles schon gesehen. Zudem bilde ich mir ein, jedes Loch Par oder Birdie spielen zu können. Das Chippen war beim Zocken jetzt auch besser (Up-and-downs: 2/3), aber ob die Konstanz nun da ist, wage ich noch zu bezweifeln.

 

Tag 13: Das rockt: Niederlage gegen eine Frau

Als ich ein junger Bursche war und begann, für die Clubmannschaft zu spielen, gab es noch gemischte Mannschaften. Damals spielten wir mit regelmäßiger Beständigkeit gegen die Kurz-Schwestern aus Starnberg, die den Ball zum einen richtig gut trafen und zudem niemals streuten. Dort lernte ich auch eine amüsante Regel kennen: Wenn ein Mann gegen eine Frau im Matchplay verliert, muss er am nächsten Tag einen Rock tragen. Ich musste zum Glück nur einmal gegen das Damen-Duo im Vierer ran - und ich meine, mein Vierer-Partner Flo und ich holten immerhin den halben Punkt.

 

Mein Vorhaben am 13. Tag war daher durchaus mutig. Als Mitspielerin, respektive Gegnerin, hatte ich mir Thea Hoffmeister herausgesucht. Thea ist eine der besten Spielerinnen Deutschlands, verfügt selbstverständlich über ein tiefes Plus-Handicap und hat im Münchener GC gerade den Clubmeistertitel geholt. Mit 13 UNTER Par nach drei Runden. Bei uns im Club hat man mit 13 über Par beste Aussichten, den Titel in Empfang zu nehmen.

 

Thea ist nebenbei noch unglaublich nett, hat ein strahlendes Lachen und verwickelt einen in ein angenehmes Gespräch. Ich kann nur meine Zock-Erfahrung vorweisen (gelernt bei Dr. Urs Zondler, dem Besitzer des GC Beuerberg). Meine Wette: Wir spielen Matchplay ohne Vorgabe auf dem C-Kurs von Straßlach, allerdings von den weißen Tees. Vielleicht kann ich meine Länge ausspielen. Der Einsatz: Eine Runde Drinks. Von dieser für mich eher ungünstigen Rock-Geschichte erzähle ich nichts. 

 

Ein weiterer Vorteil für mich: Wir starten gegen 18.30 - Thea schafft es vom Büro gerade so zum Tee, ich bin bereits seit einer halben Stunde auf der Range und bereite mich auf dem neuen Trainingsgelände unterhalb des Clubhauses gewissenhaft vor.

 

Der Start gehört dann gleich mir. Thea spielt an der Eins zwar ein sicheres Par, aber ich habe einen Birdie-Putt aus zwei Metern. Lippt jedoch aus. Auf der zweiten Bahn reicht mein Par-Save zum Lochgewinn. 422 Meter mit reichlich Wasser sind aber auch eine Hausnummer. Doch dann verlässt mich das Glück: Die Löcher drei und vier gehen mit Par und Birdie an Thea. Mittlerweile hat die Dunkelheit eingesetzt. Für Thea ist das weniger ein Problem, da ihre Bälle sowohl weit, aber viel wichtiger - auch immer gerade fliegen. Aber auch bei mir läuft es ordentlich. Die Sechs teilen wir mit Par, nachdem beide Birdie-Putts am Loch vorbeilaufen. Auf dem folgenden Par 3 kassiere ich dann einen unnötigen Drei-Putt: Der Tau hat die Grüns langsamer gemacht. Thea ist 2 auf. Dormie. Ich muss die letzten beiden Löcher gewinnen, um zu teilen.

 

20.12 Uhr. Mittlerweile sieht man keinen Ball mehr. Es ist dunkel, aber der Mond scheint. Wir spielen beide unsere Drives blind. Thea ist zum ersten Mal nicht auf dem Fairway, sondern fünf Meter im Semi-Rough. Ich bin auf der Bahn. Doch die Frau ist einfach gut: Aus 168 Metern schlägt Sie den Ball vier Meter hinter den Stock. Ich schaffe es aus 150 Metern nur rechts ins Vorgrün.  

 

Am Ende verliere ich 2 und 1 (bin aber noch so verwirrt, dass ich bei Twitter 3 und 2) schreibe. Thea liegt nach acht Löchern even Par, ich zwei über. Am meisten hat mich an ihrem Spiel ihr Gameface beeindruckt. Gerade noch einen Witz gemacht, aber dann am Ball extrem fokussiert und voll da. Und extrem selbstbewusst: Bei jedem verpassten Birdie-Putt sagt sie zu mir "Glück gehabt". Beim Basketball nennt man das Trash-Talk.

 

Was sagt die Siegerin über mein Spiel? "Du hast durch die Größe einen guten Hebel und eine super Länge." Dann kommt aber noch ein Lachen und dieser gemeine Satz: "Super motiviert am Ball, hat aber leider nicht gereicht." Kennt man aus der Schulzeit: Der Schüler war stets bemüht …

 

Doch was ist Theas Stärke. Sie selbst sagt: "Rhythmus und Balance" und erklärt, dass Sie mit Nick Baron vom Seddiner See in Berlin 15 Jahre trainiert hat. "Mein Schwung ist ziemlich genau auf der Ebene, die Technik sehr solide. Ich muss nicht groß an meinem Schwung arbeiten." Entscheidend war für sie aber der Rhythmus-Aspekt, den ihr Nick schon früh beigebracht hat: "Wenn man dann noch einen guten Rhythmus und eine gute Balance hat, also nicht nach vorne oder nach hinten fällt, dann hat man eine hohe Konstanz, und der Ball fliegt auch gerade."

 

Und wie arbeitet man daran? "Balance-Übungen sind in jedem vernünftigen Fitness-Training enthalten. Ob du das mit einem Pezzi-Ball oder mit Kipp-Brettern machst, ist egal. Ich habe früher auch Ballett getanzt, daher bin ich darin recht gut."

 

Außerdem empfiehlt sie mir, einmal das Scope-System auszuprobieren. Denn da kann man dann selbst anhand der Daten erkennen, wie man den Ball trifft. Werde ich machen. Mit Marco Schmuck vom Bundesligisten Olching, dem Meister des Scope, bin ich schon in Kontakt.

 

Was habe ich von Thea Hoffmeister gelernt?

- Rhythmus und Balance sind entscheidend (Ballett fange ich aber nicht an)

- Vernünftiger Essen auf der Runde (Wasser, Banane, Apfel, Fruchtriegel)

- Viel mehr Selbstvertrauen und ein Gameface lernen

Tag 14: Fokus auf jeden einzelnen Schlag

Kariem Baraka hat einen erfolgreichen Wandel hinter sich. Von 2001 bis 2008 spielte der Münchner überwiegend auf der Challenge Tour als Profi, ehe er sich als Turnierdirektor auf der EPD, mittlerweile Pro Golf Tour, um die Nachwuchselite kümmerte. In seiner aktuellen Rolle als Geschäftsführer im GC München-Riedhof hat er mehr Zeit für seine Familie, denn der Reisestress hat nun nachgelassen.

 

Mal sehen, ob der Ex-Profi mir ein paar Tipps für mein eigenes Spiel geben kann. Eigentlich wollten wir neun Löcher spielen gehen, aber als Clubmanager hat man viel zu tun. Daher unterhalten wir uns im Clubhaus - und steigen gleich richtig ein. "Ein guter Schritt ist, jedes Turnier gleich zu behandeln", erklärt Baraka. "Es gab auch auf der Challenge Tour so was wie die Majors, wo das Preisgeld das Vierfache eines normalen Turniers betragen hat. Natürlich will man da besonders gut spielen. Aber man sollte seiner eigenen Routine vertrauen, egal ob es das erste Turnier im Jahr ist oder man um ein besonders hohes Preisgeld ging."

 

Was macht man bei speziellen Druck-Situationen?

"Es geht immer nur um den nächsten Schlag", sagt Baraka. "Das hört man auch immer wieder in Interviews von so vielen Spielern aller Klassen. Das klingt abgedroschen. Aber es ist enorm wichtig. Diesen Fehler habe auch ich oft gemacht. Man denkt: Da kommt ja noch ein Par 5, da komme ich mit zwei hin und habe eine Birdie-Chance."

 

Genau das sollte man aber vermeiden, so Baraka. "Das Problem ist: Man hat so viel Zeit auf dem Platz. Die meiste Zeit verbringt man damit, zu gehen oder zu warten. Daher muss man seine Gedanken ordnen können. Psychologie ist gut und kann helfen, aber man kann das nicht verallgemeinern. Das ist sehr personenbezogen. Meist ist es auch leichter, wenn man einen Caddie dabei hat. Man merkt es auch an den Flight-Partnern. Wenn man die kennt und sich gut versteht, spielt man meistens besser."

 

Wie steht es mit den typischen "Angstschlägen"? Kennt man das als Profi? Beziehungsweise diese Vermeidungsschläge: Nur nicht nach rechts, da ist die Ausgrenze…

 

"Es geht nicht darum, etwas zu verhindern, sondern aktiv etwas auszuführen. Die Zielsetzung sollte dabei so genau wie möglich sein", erklärt der Neffe von Bernhard Langer. Gerade das Zielen ist etwas, was der Amateur oft nicht ernst genug nimmt. Barakas Meinung dazu: "Das Ziel kann ein Baum, eine Bunkerkante oder ein Weg sein. Die Hauptsache ist: Das Ziel sollte möglichst genau sein."

 

Auf was sollte man sonst noch achten?

"Umso schlechter man spielt, desto mehr verschließt man sich. Ich habe dann meist zu viel analysiert. Die ganz guten Runden passieren einfach. Da denke ich nicht groß nach." Natürlich will ich wissen, was seine tiefsten Runden waren. "Eine 62, 10 unter Par, im hessischen Praforst", sagt er und fügt an: "Zwei Mal habe ich zudem noch eine 62 gespielt, das waren aber nur 9 unter Par: Einmal in Moskau und einmal in Ascona." 

 

 

Immer einen Schlag nach dem anderen war nach dem Gespräch mein Ziel. Mein Spiel auf dem ziemlich perfekt gepflegten Platz war im Anschluss recht vielversprechend. Von Weiß lag ich bis zur fünften Bahn even Par, ehe das erste Bogey auf die Karte kam. Nach der Neun stand ich bei +3. Dann holten mich Blitz und Donner ein. Pünktlich zum ganz großen Platzregen schaffte ich es gerade noch zurück zum Parkplatz.

 

Ein paar Werte:

  • Fairway-Treffer: 4/6
  • Grüntreffer: 4/9
  • Up-and-downs: 3/5

 

Tag 16: Kurz, aber knackig

Heute kurz und knapp, denn der Platz war ebenfalls kurz. Ich war in Green Hill bei Aschheim, einer relativ neuen 9-Löcher-Anlage ausschließlich mit Par-3-Bahnen. Die Längen der Löcher variieren zwischen circa 50 und 150 Metern. Die meisten sind unter 100 Meter.

 

Mein Tagespensum sah so aus:

Drei Stunden im Büro

18 Löcher in Green Hill

Eine Stunde im Fitness-Studio

 

Gespielt habe ich neun Löcher lang Worst Ball (vom Abschlag bis ins Loch: immer zwei Bälle spielen, jeweils aus er schlechteren Lage weiterspielen), dann neun Löcher normal. Der Score? +7 und +1.

 

Die Preise sind mit 19 bis 27 Euro (9 Löcher) sowie einer einmaligen Kartengebühr von 5 Euro vergleichsweise günstig. Allerdings ist man auch recht schnell durch. Neben dem Platz gibt es auch gute Trainings-Möglichkeiten mit einer eigenen Driving-Range und zwei Pitching-Grüns.  

Tag 17: Mit Goodsundays im Regen

Gut zu scoren war heute wirklich schwierig. Zudem waren unsere Schwünge bei der frühen Startzeit um 8 Uhr noch etwas rostig.

 

Für mich überraschend:

 

- Ich habe mich nicht vernünftig warm gemacht und war die ersten Löcher bei der Drehung nicht voll da. Nach neun Löchern wurde es besser.

- Normalerweise nutze ich als Vorbereitung auf die Runde die Übung Circle Putting. Diesmal habe ich nur ein paar Putts gemacht und gerade aus ein bis zwei Metern vergleichsweise schlecht geputtet. Und dass, obwohl die Grüns wirklich exzellent und sehr treu waren. 

 

 

Tag 18: +4 bei mäßigen Bedingungen

Bereits um 7.51 Uhr trudelte die erste Textnachricht über das Telefon ein: Der erste Spielpartner sah den Dauerregen und sagte gleich mal ab. Immerhin: Frau Dr., die Tochter unseres Präsidenten und Schwester meines ehemaligen Viererpartners, stand schon in den Startlöchern und schrieb irgendwas von Auflockerungen und nachlassendem Regen. Von unserem dritten Mann hatte ich nichts gehört, aber die Chance auf ein Erscheinen sah ich bei 50/50.

 

Nach einer etwas längeren Nacht verzichtete ich am 18. Tag auf mein ausführliches Fitness-Programm und setzte mich nach einem relaxten Frühstück direkt ins Auto. Auch das Einschlagen fiel flach, stattdessen begrüßte ich Tim, spielte nur ein paar Putts und machte ein Kurzprogramm der Ilan-Übungen für die Mobilität. Die Folge: Ein schwaches Doppel-Bogey nach einem verhunzten Abschlag auf der 2 in den Teich. Doch dann wurde es besser: Auf der 3 landete der Approach aus 110 Metern vier Meter am Stock, der Putt fiel zum Birdie. Auf der 5 (239 Meter, Par 4) attackierte ich mit dem Holz 3 das Grün und konnte ein weiteres Birdie auf die Karte schreiben. Immerhin: Even Par nach fünf ist in Beuerberg ein wirklich gutes Ergebnis, denn die Auftaktlöcher zählen meiner Meinung zu den schwersten Bahnen des Platzes. Im Laufe der ersten Neun verpasste ich dann aber drei Putts aus machbaren Distanzen und ging mit +3 auf die Back-Nine.

 

"Auch schon egal", dachte ich mir und nahm auf der 286 Meter kurzen 10 den Driver. Der Schlag ist allerdings nicht ganz einfach, den links lauert das Aus, rechts ein kleiner Wald mit dichtem Gestrüpp. Genau dahin trudelte dann auch der gepushte Abschlag. Letztlich musste ich einen zweiten Ball spielen und kassierte ein weiteres Doppel-Bogey.

 

Erstaunlicher Weise verlief der Rest der Runde dann wie am Schnürchen. Nach sieben relativ sauberen Pars in Folge (ein Sand-Save auf der 14) glückte mir am Schlussloch noch ein flacher Punch unter einer Baumkrone durch, der auf dem Grün rund acht Meter vor der Fahne zum Liegen kam. Der anschließende Putt zum Birdie fiel ins Loch, der Regen setzte wieder ein. Manchmal ist Golf gar nicht so schwer. Alleine: Auf die Par-Runde fehlen dann eben doch noch vier Schläge. Und das ist im Golf eine ganze Menge.  

 

Die Statistiken:

  • 8/15 Fairway-Treffer
  • 12/18 Grüntreffer
  • 31 Putts
  • 1/2 Sand-Saves
  • 3 Birdies

 

Tag 19: Tipps auf der Range

Nach meiner Vier-über-Par-Runde und dem weiterhin nicht wirklich begeisternden Regenwetter in München habe ich mir heute mal eine Range-Session gegönnt. Mit Julius, einem klassischen Neugolfer, war ich auf der City Golf Range in Freimann. Die kleine Driving-Range liegt kurz vor der Allianz-Arena und bietet einige überdachte Boxen sowie ein Chipping-Grün. Den Driver kann man stecken lassen: Maximal 200 Meter darf man den Ball schlagen.

 

Wir verbrachten rund eineinhalb Stunden dort, schlugen Bälle und chippten ein wenig. Julius hat noch kein Handicap, noch keinen Club, aber immerhin einmal einen Anfängerkurs besucht. Dafür ist sein Schwung schon sehr ordentlich.

 

Beim Golf kann man natürlich viel falsch machen. Und noch mehr, wenn man auf all die Ratschläge der lieben Mitspieler hört. Von "Kopf unten lassen" bis "das Handgelenk im Rückschwung nicht zu dorsal auf Ebene bringen": Ratschläge sind meist gut gemeint, aber in diesem komplexen Sport bringt einen meist nur das individuelle Training mit einem Golf-Pro weiter. Der muss allerdings auch zu einem passen.

 

Wie auch immer: Julius bat mich um ein wenig Unterstützung - also gab ich mein bestes. Wie gesagt, diese Tipps sind nur für Julius:

 

- etwas weiter weg vom Ball in der Ansprechhaltung

- Gewicht nicht zu sehr auf die Fußspitzen (du merkst es, wenn du den linken Fuß im Aufschwung anhebst)

- die Hände beim Ansprechen nicht zu sehr nach vorne strecken

 

Ansonsten: Eine echt sportliche Bewegung mit ordentlicher Schlägerkopfgeschwindigkeit und solider Balance. Wenn du so weiter machst, bist du bald ein echter Golfer (und vom Virus infiziert).