30 Tage Golf - Ein Projekt im Spätsommer 2014

Vom 27. August bis zum 25. September 2014 durfte ich insgesamt 30 Tage am Stück Golf spielen. Meine Erfahrungen schilderte ich fast täglich auf Golf.de. Hier sind die 30 Tage nochmals zusammengefasst. Warum - das ist doch ein alter Hut? Ja, aber es hat richtig Spaß gemacht. Eine schöne Erinnerung. 

Große Ziele

Die Claret Jug muss es nicht gleich sein, aber vielleicht der Clubmeisterpokal … Mein Handicap, zur Zeit steht es bei 4,4, hat sich in dieser Saison kaum verändert. Beim ersten Mannschaftsturnier (Ligaspiele werden immer als Zählspiel ausgetragen) in Bad Wiesee spielte ich eher mittelprächtige acht über Par, kam dank einem CBA von -4 aber um 0,2 im Handicap nach unten. Mathematik kann so schön sein. Danach war ich noch bei fünf weiteren Turnieren dabei, die mich auf 4,8 nach oben schossen. Bislang war das nicht das ganz große Kino. Aber immerhin kam dann noch eine 76 im GC Aschheim beim Regnum Carya Golf Cup hinzu, die mich wieder etwas nach unten brachte.

 

Meine Ziele:

  • Eine Turnierrunde in Par oder besser spielen
  • Eine Handicapverbesserung (Stand zum Start: 4,4) - und bestenfalls eine 3 vor dem Komma
  • Eine Runde mit mindestens vier Birdies spielen

 

Erster Schritt auf dem Weg, besser zu werden: Ein eigener Personal-Trainer, der etwas von Golf versteht. Ilan Dedemoglu kennt sich nicht nur mit der Anatomie aus, sondern betreut auch das Bundesliga-Team des GC Olching. 

 

Auf der Autofahrt in meinen Heimatclub GC Beuerberg sieht es kurzzeitig so aus, als würde die Welt untergehen. Platzregen wechselt sich auf der A95 kurzzeitig mit einem schönen Grau ab, ehe es wieder richtig zu schütten beginnt. Was für ein Auftakt in das Projekt: 30 Tage Golf. Immerhin: Ich treffe mich erstmal mit Fitness-Coach Ilan Dedemoglu auf dem überdachten Teil der Driving Range. Er will meine anatomischen Voraussetzungen analysieren.

 

Das Ganze dauert dann rund zwei Stunden und ist sehr aufschlussreich: Bei Hüfte, Schulterblättern und Wirbelsäule fehlt es ein wenig an Mobilität und Flexibilität. Zudem ist die Ansteuerung der Propriozeptoren ausbaufähig?! Das bedeutet: Die Informationen, die für den Schwung nötig sind, werden zwar übertragen - aber wie man diese Punkte speziell trainieren und verbessern kann, weiß ich nicht.

 

Unser Analyse-Training sieht wie folgt aus: Ich zeige Ilan, wie ich mich aufwärme und dann Bälle schlage. Er analysiert die Bewegung und fragt mich auch gezielt nach alten Verletzungen und Mobilitätseinschränkungen. Schließlich führen wir verschiedene Tests durch und machen im Anschluss Übungen, die die Mobilität erhöhen. Nach etwas mehr als zwei Stunden und zwei Eimern Bällen erhalte ich drei Übungen, die ich jeden Tag vor dem Golftraining durchführen soll, bis wir uns in einer Woche wieder sehen. Mein Fazit: Ich habe sehr viel gelernt und ab Mitte des Trainings den Ball sehr gut getroffen. Ob auch das Scoren klappt, werde ich jetzt auf 18 Löchern sehen. Und: Das Aufwärmen, das ich bislang gemacht habe, ist okay und bringt mich zumindest leicht zum Schwitzen. Aber mit einem golfspezifischen Aufwärmen hat es kaum etwas zu tun. Hier ist Raum für Verbesserung.

 

Nachtrag: 18 Löcher Zählspiel wurden es als Vorbereitung auf die Clubmeisterschaften. Das Wetter: eher mau, aber die zweite Hälfte immerhin fast trocken. Der Score? Geht so. Acht über Par. Spielerisch recht ordentlich, aber nicht wirklich gut gescort. Bis zur 16 stand ich bei +4, dann kam der Einbruch und ein schwaches Finish mit Bogey, Doppel-Bogey, Bogey. Immerhin: Nur ein richtig schlechter Schlag war dabei (Wedge aus 100 Meter ins dicke Gemüse). 

Tag 2: Von Kanada nach Bayern

Meine zweite Runde bestreite ich mit Frank aus Gießen, den ich ich in diesem Sommer (ja, den gab es. Aber nur im Ausland!) auf dem genialen Platz Cabot Links in Kanada kennengelernt habe. Damals spielten wir zusammen mit dem Clubmanager eine Runde und machten danach aus, uns auch einmal in Deutschland zu treffen.

 

Keine zwei Monate später stehen wir in Beuerberg am Abschlag. Außerdem mit von der Partie: Mein alter Mannschaftskollege und einer meiner besten Freunde Flo und sein Arbeitskollege Markus.

 

Frank ("The Tank", da er einen gleichnamigen Odyseey-Putter hat) spielt die ersten Neun nicht gerade auf höchstem Niveau und hat mit dem Slice zu kämpfen. Wenn er gut drauf ist, wie damals in Nova Scotia, kommt ein ordentlicher Fade zustande. Aber die zweiten Neun wird es deutlich besser und einige Pars finden ihren Weg auf die Karte. Franks Fazit am Ende: "Schade, dass ich auf einem so schönen Platz so ein grottiges Golf gespielt habe". Markus schlägt sich nach einem hektischen Auftakt wacker und glänzt mit einigen starken Pitches und ordentlichen Putts. Sein Handicap von 23 sollte bald ein paar Punkte nach unten purzeln.

 

Flo und ich zocken die zweiten Neun ein wenig, nachdem bei ihm zu Beginn gar nichts ging. Auch so kann man ins Spiel finden... Contra-Re heißt das Spiel: Bei jeder überlegenen Situation kann mann den Betrag verdoppeln, der Gegner kann dann annehmen - oder ablehnen und muss den einfachen Betrag zahlen.

 

Nach einem Birdie und vier Pars bin ich sechs Punkte vorne. Dann verliere ich aber zwei Löcher in Folge mit Bogey und bin plötzlich acht down. So schnell kann es gehen bei Contra-Re. Das Schlussloch liege ich nach einem zu kurzen Approach schon wieder hinten, nehme aber das Contra und loche den langen Chip auf die hinter der Welle gesteckte Fahne zum Birdie. Flo kontert mit seinem zweiten Birdie in Folge und wir teilen das Loch. Aber er gewinnt die Partie. Acht Euro gehen an ihn.

 

Mein Score: erneut +8. Eher Mittelmaß. Morgen Nachmittag geht es dann endlich los: drei Tage Clubmeisterschaften mit drei Zählspielrunden. 

Tag 3: Die erste Turnierrunde

Die Clubmeisterschaften stehen an. Starzeit: 13.30 Uhr. Das Vorbereitungsprogramm war gut, die Runde weniger. 

Aufstehen um 9 Uhr

 

- Frühstück (Bircher-Müsli) und Kaffee

- Rund eine Stunde Arbeiten (okay, das machen Profis wahrscheinlich nicht…)

- Insgesamt 40 Minuten Workout (drei Übungen von Ilan) und leichtes Joggen

- Duschen

 -Vorbereitung Rundenverpflegung (Bananen, Nüsse, kleine Brotzeit)

- 10 Minuten Meditation (ich nutze die App Headspace)

 

 

Einspielen: 55 Minuten

Chippen, Pitchen (20 Min)

Langes Spiel (15 Min)

Putten (20 Min)

 

Die Runde begann dann leider katastrophal. Anders kann man es nicht ausdrücken. Mal wieder lag ich +8, allerdings nicht nach 18 Löchern, sondern nach sechs. NACH SECHS! Wie so etwas passiert? Na, das hört man ja eigentlich in jedem Clubhaus. Genaue Details möchte ich ersparen. Nur so viel: Erst hatte ich kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Und natürlich einiges an Unfähigkeit. Ob von der Astgabel ins Aus oder vom Weg ins Gestrüpp - die ersten Löcher blieb mir nichts erspart. Dazu waren meine Eisen auch einfach nicht präzise. Ein ums andere Mal segelte der Ball in den Bunker oder ins dichte Rough neben das Grün.

 

Dementsprechend schnell verließ mich auch das Selbstbewusstsein, was wohl beim Golfen mit am wichtigsten ist. Ab dem 13. Loch wurde es dann endlich besser. Nachdem ich bis dahin genau zwei Grün in regulation getroffen hatte, spielte ich endlich ein sauber herausgespieltes Birdie auf unserem zweitschwersten Loch. Danach hatten die Schwünge endlich wieder etwas mit Golf zu tun. Am Ende stand +12 auf der Karte. Alles andere als eine gelungene Runde. Aber immerhin war es hinten raus ganz ordentlich.

 

Was macht die Konkurrenz. Zwei Spieler mit +8 liegen vorne. Dahinter folgen Scores von +10 und +11. Alles nichts Weltbewegendes. Es ist einfach ein schwerer Sport.

 

Ein paar Statistiken:

  • 37 Putts
  • 7/18 Grüntreffer
  • 11/15 Fairwaytreffer

 

Tag 4: Auf der Suche nach dem Schwung

Das ist jetzt der vierte Tag von 30. Und ich hätte jetzt eigentlich gerne eine Pause. Das ist zumindest der erste Eindruck nach 36 Löchern Zählspiel in Folge und zu vielen schlechten Schwüngen. Auch in Runde zwei kam mit +11 nichts brauchbares heraus. Zumal ich noch Glück hatte, da ich zwei Bälle gefunden habe, die auch hätten weg sein können.

 

Das Problem sind in den vergangenen Tagen die Eisen aus 100 bis 160 Metern (PW-E7). Zu selten landen sie im Ziel, zu oft drehen sie zu sehr nach links oder bleiben dann mit der Gegenbewegung etwas rechts.

 

Zudem waren auch zwei taktische Fehler dabei, die zu zwei Wasserbällen geführt haben. Beide Male hatte ich den falschen Schläger in der Hand und wollte aggressiv auf die kurz gesteckte Fahne spielen. Besser wäre der Approach hinter den Stock gewesen…

 

Die Statistiken:

  • Getroffene Fairways: 10/15
  • Getroffene Grüns: 7/18
  • Putts: 32
  • Verlorene Bälle: 3
  • Schwung verloren, gefühlt: 5 x

Tag 5: Potential vorhanden. Irgendwo…

Am Schlusstag der Clubmeisterschaften lief es endlich wieder ordentlich. Nur das Wetter wollte nichts von ordentlich wissen. Nach vier Löcher hieß es: Wasser Marsch. Nach Neun musste unser Flight pausieren, kurz darauf wurde wegen unter Wasser stehenden Grüns komplett abgebrochen. Am Ende entschied sich die Spielleitung, den Tag nicht zu werten. Die Führenden waren in den letzten Paarungen nur bis zur fünften Bahn gekommen. Ich wurde dann mit 23 über Par (+12/+11) belangloser geteilter Vierter. Der große Sieger hieß einmal mehr Claudio Trono, der auf +12 nach 36 Löchern kam - und dass, obwohl er am erster Tag wegen Stau auf der Autobahn zu spät zum Abschlag erschien und sogar noch zwei Strafschläge erhielt. Respekt - zwei Mal sechs über, das ist ein für unseren Club sehr gutes Resultat.  

 

Meine letzten Neun wurden wie erwähnt nicht gewertet. Ich lag zu diesem Zeitpunkt vier über Par. An den Tagen zuvor stand ich zu diesem Zeitpunkt bereits bei +9 und +8. Insofern war das schon deutlich besser. Auch die Qualität der Schläge war erfreulich: Große Ausreißer gab es keine, zwei Putts aus rund einem Meter habe ich vorbeigeschoben. Dafür dem Regen ganz gut getrotzt.

 

Die Siegerehrung von Clubbesitzer Dr. Urs Zondler und Präsident Dr. Wolfgang Ruhwinkel war wie gewohnt unterhaltsam. Die weitläufige Meinung: Schenkt den Rotwein ein, damit wir die hohen Runden schnell vergessen können.

 

Mein Fazit bisher: Die ersten fünf Tage waren spielerisch eher tough. Großen Spaß hat es dennoch gemacht. Jetzt freue ich mich aber auf Lochspiel-Matches und Stableford-Turniere.

 

Tag 7: Die Journalisten rufen

Wenn Journalisten Golf spielen, muss es sich natürlich nach etwas Großem anhören. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass das Turnier gleich mit einem Doppelnamen daherkommt. Wie auch immer - der Verband lud zum BGV-Journalisten-Jahrespreisfinale 2014 und Eberhard-Stanjek-Erinnerungspokal. Da kommt man doch gerne. Der Glaspokal mit Goldrand wird dann natürlich auch noch von Bernhard Langer gestiftet. Und nein, Herr Langer ist selbstverständlich nicht dabei, aber das Ding stammt anscheinend von ihm. Schade übrigens, dass er es nicht als Pick zum Ryder Cup geschafft hat. Verdient wäre es bei der glanzvollen Saison allemal. 

 

Aber zurück zum eigenen Spiel, diesmal im GC Eschenried. Das Wetter war passabel. Zusammen mit der charmanten Patricia Heinlein, die sich vor wenigen Tagen den Titel der Clubmeisterin im GC Eichenried holte, und Zeitungsjournalist Günther aus Augsburg, ging es auf die Runde. Neben den symphatischen Flightpartnern stimmte auch das Timing: Als erster Flight ist man in vier Stunden durch und muss nie warten. Perfekt. 

 

Mein Spiel war leider zweigeteilt: Drives, lange Eisen und die Putts waren ziemlich solide, aber die Chips (vor allem die!) und die Pitches waren eine Katastrophe. Meine Erklärung: Bei den Clubmeisterschaften am WE wurde leider mit Besserlegen gespielt, dadurch hatte man immer eine gute Lage - auch im Rough. Hier im dicken Gras war es dann schon deutlich schwerer, den Ball an die Fahne zu spielen. Letztlich war aber auch die Technik Schuld. Kommentar Patricia Heinlein: "Dass du mit so einer Grütze noch Par spielst, ist schon erstaunlich." Einmal mehr war ein Putt aus fünf Metern glücklich gefallen. 

 

Auf der Scorekarte stand schließlich eine 80 (+8) mit neun Bogeys, einem Birdie und acht Pars. Wenig richtige Ausreißer eigentlich, aber eben auch kein guter Score.

 

Morgen geht es zu Christian Neumaier (coacht unter anderem Champions-Tour-Pro David Frost) in den Heimatclub. Mal sehen, was der sagt. Mein letzte richtige Trainerstunde liegt in etwa zehn Jahre zurück. Ich bin gespannt.

 

Die Statistiken:

  • 31 Putts
  • 6/18 Grüntreffer
  • 9/14 Fairwaytreffer
  • Keinen Ball verloren
  • Chip-Quote (Up and down): 2/9 (Grrr!)

 

Tag 8: Im Blick der Highspeed-Kamera

Mein Spiel fühlt sich immer noch zweigeteilt an. Das lange Spiel, die Putts und Bunkerschläge funktionieren. Damit sollte eigentlich auch mal die Par-Runde zu knacken sein. Aber die Annäherungen (Chips und Pitches) sowie die Schläge aus rund 100 Metern sind einfach viel zu schwach, um Birdie-Chancen zu erspielen oder Pars zu retten.

 

Kann Christian Neumaier, der Headpro des GC Beuerberg (u.a. Trainer von David Frost auf der Champions Tour), Abhilfe schaffen? Ich treffe ihn für eineinhalb Stunden zusammen mit seinem Auszubildenden Alex, der die Kugel ebenfalls richtig gut trifft. Mit Christian habe ich als Jugendlicher im MannschaftsTraining etwa einmal pro Woche im Team trainiert. Aber nachdem dann irgendwann die Arbeit rief, war ich bei keinem Coach mehr. Das macht sich natürlich bemerkbar. 

 

Wir sprechen kurz über meine Probleme im Spiel und nehmen im Anschluss einen etwas längeren Chip (circa 60 Meter) auf. Hier ist die Version, die ich gerne spiele: Die Hände rotieren leicht im Treffmoment, das Schlägerblatt schließt sich. Das Resultat: Unkonstantes Treffen, hoher Ballflug und ab und an etwas Draw. An schlechten Tagen kommt aber auch schon mal ein richtiger Hook heraus, gefolgt von einem gepushten Ball beim nächsten Annäherungsschlag (Gegenbewegung).

 

Coach Christian erklärt: "Der Schlägerkopf überholt die Hände durch eine klappende Bewegung der Hände und eine Rotation der Unterarme. Dadurch verändert sich der Eintreffwinkel. Dadurch erreichst du aber leider keine Längenkontrolle."

 

Das ist das alte Muster:

 

 

 

Zur Info: Ab 1:00 wird es relevant… Spulen erlaubt!

 

Hier dann der zweite Versuch, nachdem ich einige Bälle geschlagen habe und versuche, die Hände etwas mehr aus dem Spiel zu nehmen. Die Erklärung dazu gibt es auch: "Wenn die Hände ruhiger wären und die Bewegung mehr über den Körper und die Arme transportiert werden, bleibt die Schlagfläche gerade. Dadurch wird der Eintreffwinkel konstanter und der Loft bleibt erhalten. Wenn irgendwann mal keine Hände mehr dabei sind, schlägst du genau auf den Punkt", so Christian.

 

 

 

Ab 0:56 wird es interessant. 

 

Mein Eindruck: Die Hände rotieren deutlich weniger im Treffmoment. Das Schlägerblatt geht gerade durch den Ball. Resultat: Konstanteres Treffen, aggressiverer Ballflug (etwas flacher), gerade Flugbahn, gleichbleibender Spin nach dem Landen des Balls.

 

Jetzt heißt es: Üben, üben, üben. Nächstes Turnier ist am Samstag. Ach ja, die DVD von Christian über Chippen habe ich gleich auch noch gekauft. Bei diesem Wetter ist Technik-Training vor dem TV ja nicht die schlechteste Wahl.