Zocker-Storys

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59 in Isleworth von Tiger: kein Problem. Hole-in-one am Tag darauf? Check! (Foto ©Unsplash)

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Eine Woche vor dem Masters 1997. Tiger Woods spielt mit seinem Buddy Mark O’Meara in Isleworth. Tiger schießt eine 59 – 13 Schläge unter Par - und gewinnt haushoch gegen O’Meara.

 

Am darauffolgenden Tag geht es erneut an den Abschlag, Zeit für ein Re-Match. O’Meara erzählt die Geschichte immer noch mit einem Schmunzeln: "Wir spielen einen Zehner, der sich automatisch verdoppelt, wenn man ein Loch hinten ist. Wir teen also auf der 10 auf. Er spielt einen perfekten Drive und schlägt den Ball mit dem Eisen drei Meter an den Stock. Ich bin fünf Meter weit weg. Mein Putt läuft vorbei, er macht ihn. Er ist also 1 auf und wir fahren mit unseren Carts zur 11, dem Par 3. Er ruft mir zu: 'Mo, gib Gas. Du bist 1 down.' Zack, schon steht er auf der Tee-Box und schlägt sein Eisen. Ich glaube, ein 8er. Ich bin noch nicht einmal ausgestiegen, da landet der Ball auf dem Grün, sprint einmal auf und verschwindet im Loch. Hole-in-one!"

 

O’Mearas Reaktion: Er nimmt einen Hunderter aus der Tasche und legt ihn auf den Sitz von Woods. Dann sagt er: "Das war ein wirklich großartiger Schlag. Ich bin raus. Wir sehen uns später auf der Range." Er schaut mich erstaunt an. "Wo gehst du hin?" O’Meara: "Ich höre auf. Du hast gestern 13 unter Par gespielt, jetzt bist du 16 unter nach 20 Löchern. Mit dir spiele ich nicht mehr."

 

Woods war dann auch beim Masters nicht zu stoppen und gewann mit 18 unter Par das Green Jacket. Tom Kite wurde Zweiter, allerdings mit zwölf (!) Schlägen Rückstand. Schlusswort O’Meara, der als einer der besten Freunde Tigers gilt: "Das war Wahnsinn. Ich hasse diesen Typ."

Autor Timo Schlitz in Hoylake
Nicht Rory McIlroy, sondern Autor Timo Schlitz. Aber immerhin Hoylake. Oben auf dem Leaderboard steht der Gewinner: Rory McIlroy mit 271 Schlägen (-17)

Just in Time

 

Man kann es Weitsicht nennen. Im Normalfall aber eher Größenwahn. Die Rede ist von Gerry McIlroy. Der schloss auf seinen damals 15-jährigen Sohn folgende Wette ab: Vor seinem 26. Geburtstag werde der Junior die British Open gewinnen. Die Quote? 500:1!

 

Da der Wettanbieter Ladbrokes für diese Wette maximal 100 Pfund akzeptierte, suchte sich der Zocker-Dad noch drei Mitstreiter. So kam das muntere Quartett auf einen Einsatz von 400 Pfund. 

 

Eine wirklich gute Investition, denn Rory McIlroy, der junge Lockenkopf aus Nordirland, reifte schnell zum Superstar. 2011 gewann er die US Open, 2012 die PGA Championship. Wow – zwei Major-Siege in den frühen 20ern! Bei der berühmten Open Championship war er allerdings nur 2010 mit einem geteilten dritten Platz einmal nah dran.

 

Bis 2014 Royal Liverpool in Hoylake auf dem Spielplan stand. "Rors", mittlerweile ohne Locken, dafür mit muskelbepacktem Körper, nahm den Platz für seinen dritten Major-Titel auseinander. Der 25-Jährige gewann mit zwei Schlägen Vorsprung vor Sergio Gracia und Rickie Fowler. Eine Punktlandung war es auch für das Wettquartett, das 200.000 Pfund ausbezahlt bekam. McIlroy Junior äußerte sich in der Pressekonferenz natürlich zu der Wette, ließ aber auch erkennen, das Vater Gerry sich über Geld seit längerem keine Gedanken mehr machen müsse. Aber es gab ja auch noch drei andere Mitstreiter: "Die drei, die sich ihm bei der Wette angeschlossen haben, werden heute wohl sehr glücklich sein", so der British-Open-Champion von 2014.

Gestatten, Mr. Moe Norman!

Golf Drive Mein Golf Training
Moe Norman war einer der besten Golfer seinerzeit, den allerdings kaum einer kannte (Bild ©Unsplash)

Pling, pling, pling …

 

Schon mal was von Murray Irwin, genannt Moe, Norman (1929-2004) gehört? Der Kanadier gilt als der vielleicht beste Ballstriker, den die Golfwelt je gesehen hat. Mit der Ausnahme, dass es kaum einer sah.

 

Denn Norman, gewann zwar mehrfach die Canadian Open, spielte drei Mal eine 59 und kam in seiner Profikarriere auf 17 Asse, – aber auf die US PGA Tour hatte er einfach wenig Lust.

 

Stattdessen verblüffte er seine Fans gerne mit kleinen Wetten. Ein Mal wurde Norman von einem Zuschauer herausgefordert: Niemals könne er den Ball auf der Schlagfläche seines Drivers 100 Mal abprallen lassen. Einen Dollar zahle er für jeden Versuch darüber. "Ich kam locker über 100 und das Gesicht des Typen wurde weiß wie Papier. Ich musste so heftig lachen, dass ich bei 192 Versuchen aufgehört habe", erzählte er Golf Digest kurz vor seinem Tod in 2004.  

 

Eine ausführliche Story über Moe Norman gibt es übrigens auf Golf World.

Golf Bunker
Ab in den Bunker? Moe Norman war ziemlich verrückt - und ziemlich gut (Foto ©Unsplash)

Ein sicherer Tipp

 

Einst führte Moe Norman die Saskatchewan Open mit drei Schlägen an. Auf dem Schlussloch lag er zum Birdie – und hatte den Sieg so gut wie sicher.

 

Doch was machte Norman? Er puttete nicht auf das Loch, sondern in den Bunker. Absichtlich. Zwei Zuschauer sahen ihn ganz besonders ungläubig an und waren kurz davor die Fassung zu verlieren.

 

Norman sah das entspannter, schlug den Ball an die Fahne und lochte zum Bogey. Danach fragte er die beiden, was los sei. „Wir haben eine große Wette auf Sie abgeschlossen“, sagte einer der beiden. Norman erwiderte: „Tut mir leid, aber ich brauchte die Abwechslung.“ Hat ja auch geklappt, er gewann mit zwei Schlägen Vorsprung. 

Fahnenstange auf Golfplatz
Die Fahnenstange ist normalerweise eher schwierig zu treffen. Nicht so für Moe Norman (Foto © Unsplash)

 Wer will schon putten? 

 

Moe Norman war nie ein großer Freund vom Putten. Und er hatte mit  George Knudson einen Tour-Kollegen, der vom Putter ebenso wenig hielt. Daher zockten die beiden auf ihren Probe- und Trainingsrunden gerne um etwas anspruchsvollere Thematiken im Golf. Putten zählte dabei nicht.

 

Stattdessen musste man 20 Dollar zahlen, wenn man ein Fairway verpasste. Und weitere 20, wenn man nicht das Grün mit der vorgegeben Anzahl an Schlägen (GIR) traf. Deutlich teurer kam den Gegner ein Treffer des Flaggenstocks – und zwar nicht bei einem Chip, sondern beim Schlag vom Fairway. Das brachte 100 Bucks, was in den 60 und 70ern natürlich ein wenig mehr Wert hatte, als heutzutage.

 

Norman über das Spiel: "George war schon sehr gut, aber ich war besser. An meinem erfolgreichsten Tag habe ich sechs Mal die Fahnenstange getroffen." 


SPIELFORM: Contra-Re

Eine beliebte Wette oder auch ein "Side-Game" – das man während anderer laufender Zocks einbauen kann - heißt Contra-Re. Gespielt wird Lochspiel, Mann gegen Mann. Das Besondere ist, dass man je nach Situation den Einsatz auf dem Loch verdoppeln kann - indem man Contra gibt. Der andere Spieler kann daraufhin entweder ablehnen (das Loch und der einfache Einsatz sind verloren), oder mitgehen (es wird weitergespielt um den doppelten Einsatz).

Geht er mit, erhält er die Option, in einer beliebigen nachfolgenden Situation erneut zu erhöhen (Re). Damit würde sich der Einsatz vervierfachen. Wiederum bleibt die Option, abzulehnen, und den zweifachen Einsatz zu verlieren. Die dritte Steigerung (achtfach) heißt Bock. Noch höher – dann hieße es Hirsch – geht es ganz selten.

Auch wichtig: Wenn ein Spieler einlocht und gerade die Option hat, kann er selbstverständlich noch Contra, Re oder Bock sagen. Dasselbe Prinzip gilt vor dem Abschlag. Das Erhöhen des Einsatzes kann aber immer nur abwechselnd erfolgen.

Das Handicap kann eingerechnet werden (3/4-Vorgabe ist sinnvoll).

Noch ein Tipp: Abgerechnet wird am besten immer gleich nach dem Loch. Die Summe wird dann jeweils auf der Scorekarte vermerkt und wie in einer Bilanz gegengerechnet. Ein Spieler führt die Scorekarte und spielt den Buchhalter.


Hier geht es um viel Geld

9 Mio. Dollar Einnahmen
Da freut sich das Finanzamt: 9 Mio. Dollar Einnahmen für eine Partie Golf! (Foto ©Unsplash)

Um was man so spielt

 

1 Euro, ein Zehner, vielleicht sogar 100 Euro als Wetteinsatz auf dem Golfplatz? Viel Geld? Nun ja, kommt immer auf den Betrachter an.

 

Wie wäre es mit 9 Millionen US-Dollar für eine Partie? Genau dieses Szenario gab es bei "The Match", das Ende 2018 erstmal in den USA ausgetragen wurde. Veranstaltungsort? Shadow Creek, ein äußerst exklusiver Privatplatz entworfen vom Tom Fazio in der Zockermetropole Las Vegas (Greenfee: flockige 500 Dollar + man muss Gast in einem MGM sein). Die Protagonisten? Tiger Woods und Phil Mickelson.

 

Da aber 9 Millionen ein bisschen wenig erschienen, gab es nebenbei noch Side-Games wie Nearest- to-the-Pin oder spontane Wetten am Abschlag, ob man das Loch mit Birdie oder besser abschließe. Da kamen immerhin nochmal 800.000 Dollar zustande, die beide Pros aus eigener Tasche bezahlten und für den guten Zweck spendeten. Die 9 Millionen Preisgeld für den Sieg – das Geld kam übrigens von Sponsoren – holte sich am Ende Phil Mickelson im Stechen am vierten Extraloch. Der wirkliche Sieger war aber das Finanzamt des Bundesstaat Kalifornien, in dem Lefty seinen Wohnsitz hat und demnach seine Einkünfte versteuert. 

Spielschulden sollte man sofort begleichen
Wichtig beim Zocken: Spielschulden werden sofort bezahlt! (Foto © Unsplash)

Spielschulden sind Ehrenschulden

 

Tony Finau ist nicht unbedingt der Standard-Pro, den man so kennt. Aufgewachsen in Rose Park, Utah, mit Wurzeln in Tonga und Samoa, Inselstaaten im Südpazifik. Drittältester von acht Kindern. Rose Park war eher ein gefährliches Pflaster, aber es gab einen öffentlichen Par-3-Platz, auf den Papa Gary ihn und seinen Bruder Gipper öfter mitnahm. Also wurden die beiden Brüder ziemlich schnell ziemlich gut. Tony sogar so gut, so dass er auf die Profilaufbahn setzte. Im Rückblick erzählt er von seinem aufregendsten Skins Game. "Ich war 19 und schon Profi. Gipper und ich versuchten immer, ein bisschen Geld zu machen. Wir fuhren sogar bis nach Las Vegas, wenn das Wetter in Utah zu schlecht war." 

 

An diesem besonderen Tag spielten die beiden Brüder gegen zwei Spieler, mit denen nicht wirklich zu spaßen war. "Wenn ich verloren hätte [und nicht bezahlen könnte], hätte ich wohl Besuch von ein paar der Jungs bekommen. Wir waren etwa 800 Dollar hinten und es waren noch vier Löcher zu spielen. Mit einigen Skins drauf. Pro Loch waren ungefähr 1.200 Dollar zu holen."

 

Das Problem für den mittlerweile auf der US PGA Tour spielenden Finau, der es 2018 sogar ins Ryder-Cup-Team schaffte: Zu diesem Zeitpunkt hatten weder er noch sein Bruder auch nur annähernd diese Summe in der Tasche. "Entweder stecke ich tief in den Schulden oder ich muss auf den restlichen Löchern gewinnen", erinnert er sich. Gesagt, getan. Auf der 15 schlägt Finau mit einem 5er-Eisen seinen Ball Richtung Fahne. Es geht bergauf, man kann nicht sehen, wo der Ball genau gelandet ist. "Wir kamen hoch und der Ball liegt im Loch! Mein Bruder und ich gewann an dem Tag letztlich 500 Dollar. Das werde ich nie vergessen. 

 

Lee Trevino hat immer wieder betont: Druck bedeutet, um Geld zu spielen, das du nicht hast. Ganz besonders, wenn du zu deinem Wort stehst. Du willst niemals den Ruf als Spieler bekommen, der seine Wetten nicht bezahlen kann. Aber diesen Betrag hatte ich einfach nicht. Dafür habe ich einen großen Schlag gemacht, als ich ihn wirklich brauchte. Was für eine verrückte Nummer!"

Poker Karten
Phil Ivey ist nicht nur ein berühmter Poker-Spieler, sondern auch nie um eine Wette verlegen (Foto ©Unsplash )

Druck? Druck!

 

Die Szene: Die Tourprofis Adam Scott und Fred Couples spielen mit dem Pokerprofi Phil Ivey eine Privatrunde. Der Australier zockt eigentlich selten und eher ungern, aber Ivey spielt nur, wenn es in irgendeiner Form um Geld geht. Also wird ein wenig gewettet.

 

Scott: "Wir hatten eine kleine Wette laufen, aber Ivey war nicht wirklich glücklich damit. Fred und ich spielten die ersten fünf Löcher eher uninspiriertes Golf. Ivey meinte also: 'Ich bin nicht hergekommen, um euch so spielen zu sehen." Als Motivation dient ihm – was auch sonst? – eine Wette: zehn Birdies müssten die beiden Profis machen. Auf 13 verbleibenden Bahnen. "Der Einsatz: 5.000 Dollar pro Person.

 

Scott weiter: "Ich war mich sicher, dass Fred und ich das hinbekommen würden, also schlugen wir ein." Das Duo Scott/Couples spielte augenblicklich besser, doch auf den Schlusslöchern ging den beiden ein wenig die Luft aus. Scott verpasste auf der 16 knapp das Birdie. Also mussten drei weitere Birdies auf den verbleibenden zwei Löchern her. Das sollte aber kaum ein Problem darstellen, erinnert sich Scott: "Die 17 ist ein Par 3 auf ein Inselgrün, dass man mit dem Wedge anspielt. Und die 18 ein in zwei erreichbares Par 5." Allerdings sollte man nie einen Pokerpro unterschätzen. "Wir sind auf dem 17. Abschlag. Phil ist sich bewusst, dass seine Chancen nicht sehr gut sind. Also hat er nochmal den Druck erhöht." Der Amerikaner wettet dagegen, dass beide das Grün treffen. Um weitere 5.000 Dollar.

 

"Ich dacht mir, oh mein Gott, das ist zu schön um wahr zu sein. Er gibt uns 5.000 Dollar für einen Grüntreffer bei einem 125-Meter-Loch." Zu einfach? Ansichtssache. Denn Couples' Ball landet im Bunker. Wette zwei ist verloren. Zudem machen beide nur das Par, da sie zu sehr mit der Zweitwette beschäftigt sind. Damit ist auch die Gesamtwette dahin, denn trotz zweier Birdies auf dem Schlussloch reicht es nicht. Eins zu wenig. Viele Dollar-Noten wechseln den Besitzer. Aber immerhin waren die beiden um eine Erfahrung reicher. 

 7 von Pebble Beach
Die berühmte 7 von Pebble Beach aus der Vogelperspektive (©Foto: Unsplash)

Paul kann werfen

 

Wer auf einer Proberunde mit Phil Mickelson unterwegs ist, muss zocken. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz auf der Tour. Paul Casey konnte vor seinem ersten Start im Vorfeld des AT&T Pebble Beach Pro-Am im Jahr 2001 ein Lied davon singen.

 

Zusammen mit Spielpartner Seth Waugh musste er gegen Lefty und den Sänger Kenny G. (spielt übrigens ein tiefes Single-Handicap) ran. Caseys Pro-Am-Partner, damals CEO der Deutsche Bank America, kommt aus beruflichen Verpflichtungen zu spät und hat sich nicht eingeschlagen. Innerhalb weniger Löcher sind die beiden ordentlich hinten.

 

"Wir haben alles versucht, aber wir bekamen es nicht hin. Nach der sechsten Bahn sind wir 5 down. Phil wollte dann auch noch die Wetten erhöhen. Ich war damals gerade aus dem College raus und fühlte mich in dieser Situation gar nicht wohl." Am Tee der berühmten 7, dem rund 90 Meter kurzen Par 3 in Richtung Pazifik, kommt dem Engländer eine Idee. Er bietet Mickelson eine ganz spezielle Wette an. Und die geht so: Wer kann einen Golfball näher an die Fahne werfen?

 

Mickelson nimmt natürlich an, denn der Amerikaner war in der Uni ein passabler Football-Spieler und kennt sich auch beim Baseball ein wenig aus. Doch Casey ist ein Meister im Weitwurf. "Ich werfe zuerst. Der Ball trifft die Fahne und bleibt keine eineinhalb Meter neben dem Loch liegen." Seth hat mich völlig verblüfft angesehen. "Was war das?", hat er mich gefragt. "Cricket, Baby", so Casey. "Und Phil hatte diesen Was-zur-Hölle-ist-das-denn-Blick im Gesicht. Sein Wurf schaffte es nicht einmal bis zum Bunker vor dem Grün. Wir haben am Ende zwar das Match verloren und eine Menge Kohle bezahlt, aber zumindest diese eine Wette war die unsere."

 

Wie weit aber kann dieser Paul Casey eigentlich werfen? Weit. Sehr weit! Bei einem Turnier in Kanada schmiß er zur Belustigung der Fans den Ball 120 Meter über einen Teich. Wer es nicht glaubt: Ist alles auf Video festgehalten.  


SPIELFORM: Nassau

Der Klassiker aller Golfwetten, die von John B. Coles Tappan im Nassau Country Club auf Long Island im frühen 19. Jahrhundert erfunden wurde. Aus einer 18-Löcher-Runde werden drei Einzelwetten gemacht.

Gespielt wird Matchplay, und zwar um den Sieg auf den ersten Neun, auf den Back Nine und um das Gesamtergebnis über 18 Löcher. Je nach Handicap-Verteilung kann offen oder mit Vorgabe (meist 3/4) gespielt werden. Bei Gleichstand auf einem Loch wird das Loch geteilt, vergleichbar wie beim Ryder Cup. 


Spielt gerne mit den Abschlagsmarkierungen: Phil Mickelson
Spielt gerne mit den Abschlagsmarkierungen: Phil Mickelson

Mit allen Tricks

 

Die Szene: Phil Mickelson, Colt Knost, Ben Crane und ein Journalist aus dem Fernsehen-Business stehen am ersten Abschlag des Madison Club in La Quinta. Drei Pros und ein Amateur, das kann was werden. Mickelson besteht darauf, mit Krane zu spielen. Knost soll mit dem Schreiberling antreten, der immerhin 24 Schläge vor bekommt. Allerdings schlägt dieser den Ball nicht weiter als 180 Meter. Also wird zudem vereinbart, dass er nicht von den mehr als 6.700 Meter langen "Tips", sondern von den normalen Tee-Boxen abschlagen darf. Danach werden die Wetteinsätze platziert. Sagen wir mal so: billig geht anderes.

 

Am ersten Abschlag ist das Tee für unseren Journalisten respektable 25 Meter weiter vorne. Am zweiten Loch ist die Distanz der Abschläge schon deutlich geringer. Auf der 3 sind es nur noch wenige Meter. Mickelson muss plötzlich lachen, da versteht Kontrahent Knost, was "Lefty" so witzig findet. "So ein Mistkerl", kommentiert Knost das Geschehen und erklärt im Rückblick: "Sie haben uns fertig gemacht. Das kann nur Phil durchziehen, das ist wirklich legendär."

 

Geschehen war folgendes: Mickelson hatte kurz vor dem Start im Pro-Shop angerufen und veranlasst, dass die Abschlagsmarkierungen ab der zweiten Bahn möglichst weit nach hinten gesetzt werden. Dadurch war der Längenvorteil für Knosts Mitspieler dahin. 

Amarillo Slim nutzte einen gefrorenen See, um den Ball weiter als eine Meile zu schlagen
Trickreich: Amarillo Slim nutzte eine spezielle Umgebung, um einen Ball weiter als eine Meile zu schlagen (© Foto: Unsplash)

1 Meile mit dem Driver? 

 

Der 2012 verstorbene Thomas Austin Preston hieß unter Zockern nur "Amarillo Slim". 1972 gewann er die World Series of Poker, denn eigentlich war er professioneller Pokerspieler. Aber Wetten waren ganz generell sein Ding.

 

Da er es zu einigem Reichtum brachte, befand sich in seiner großzügigen Villa auch ein parkähnlicher Garten mit vier Golflöchern. Für Abschläge, die weiter als eine Meile fliegen, sollte das aber dennoch nicht reichen. Eine Meile – also 1,60934 Kilometer? Ja, genau. Diese Wette brachte der Amerikaner in einem lokalen Country Club an einige Mitglieder. Ein Trick? Einer konterte: "Wie willst du das machen, Slim. Packst du den Ball ins Auto und fährst eine Meile weit?"

 

Nope, Amarillo Slim beteuerte, einen regulären Golfball sowie ein Tee und einen nach USGA konformen Driver zu spielen, um die Meile zu schaffen. Letztlich kamen ein paar tausend Dollar von zahlreichen Mitgliedern in den Topf. Gespannt waren sie auch, denn dass so eine Distanz einfach unmöglich zu erreichen war, stand für sie fest. Ins Auto ging es dann dennoch, aber nur für den Transport. Denn Slim führte seine Kontrahenten zu einem höher gelegenen See, der zugefroren war. Am Rand teete er einen Ball auf und schlug ihn mit einem soliden "Plock" in Richtung der weit dahinter aufragenden Bergwelt. Es soll komplette Stille geherrscht haben, als er seinen Gewinn in Empfang nahm. 

Autor Timo Schlitz in Las Vegas
Lange her: Der Autor schlägt in Reflection Bay in Las Vegas ab. Hier wird besonders viel gezockt (Foto © Garbor Ekecs)

Auf der Tour: Ihr Einsatz, bitte

 

Spielschulden sind Ehrenschulden. Das gilt auch auf der Tour. Cash ist also King, was auch bedeutet, dass die Profis immer eine ganze Menge an Bargeld in einer Turnierwoche mit sich herumtragen. Denn gewettet wird öfter, als man meinen würde. Überwiegend dann, wenn es nicht um den Sieg oder wirklich gute Platzierungen geht. Der Klassiker: Skins Game um 100 Dollar pro Loch. Es geht dabei um die Motivation.

 

"Es mag nicht logisch erscheinen, aber es ist spannender, ein paar hundert Dollar von einem Tourkollegen zu bekommen als einen etwas höheren Anteil vom Preisgeld", sagte ein Spieler auf der Tour, der unerkannt bleiben möchte, in der US-Zeitschrift Golf Digest. Schläge oder Vorgaben gibt es dabei natürlich nicht.

 

Ziel ist bei den Pros oftmals auch, einen spielerischen Einbruch abzuwenden. Denn ob man nun auf Platz 62 oder 57 abschneidet, macht zwar monetär durchaus einen Unterschied (meist ein paar Tausend Dollar Preisgeld), bereitet den Pros jedoch kaum Kopfzerbrechen. Beim Zocken zu verlieren, durchaus. "Am Ende einer enttäuschenden Woche möchte man sich nicht mehr anstrengen. Aber wenn man genau das nicht immer versucht, hat man nie eine Chance, diese Kleinigkeit herauszufinden, die dein Spiel drehen kann. Es passiert andauernd: Ein Typ verpasst drei Cuts in Folge, und plötzlich gewinnt er." Also wird auch weiterhin gezockt.

Tiger
Gut, Tiger Woods sieht anders aus. Aber sein Masters-Sieg in Augusta 2019 war ein Wahnsinns-Comeback (©Foto: Unsplash)

Woods: "Großartige Wette"

 

James Adducci hat die Wette des Jahres 2019 abgeschlossen. Der Amerikaner platzierte nach eigenen Angaben zum ersten Mal in seinem Leben eine Sportwette – setzte dabei aber gleich stolze 85.000 Dollar ein.

 

Der 39-Jährige Daytrader flog dafür extra von Wisonsin nach Las Vegas, um einen Anbieter zu finden, der die Summe für einen Sieg von Tiger Woods beim Masters annahm. Im William Hill Casino wurde er fündig. Der Rest ist Sportgeschichte: Woods holte sich seinen 15. Major-Titel und feierte das vielleicht großartigste Comeback ever. Und Adducci, ein normaler Amerikaner mit einem Haus- und zwei Studentenkrediten, kassierte 1,19 Millionen Dollar.

 

Im Zuge einer Golf Clinic äußerte sich Woods sogar zur Wette. "Great bet", kommentierte er das Geschehen zwischen zwei Probeschwüngen. Von der weiteren Wette von Adducci, dass Woods alle vier Majors in Folge gewinnen würde, hielt er jedoch nicht wirklich viel: "Aber idiotisch im Bezug auf den Grand Slam". Auch da sollte der Tiger Recht behalten. 

 

Weil es so schön war: Hier nochmals ein paar Highlights vom Finaltag 2019 im Augusta National.


SPIELFORM: Chicago (auch: Las Vegas)

Diese Spielform wird im Team zwei gegen zwei gespielt. Gewertet wird pro Loch. Beide Partner spielen das Loch, wobei das Ziel ist, dass mindestens einer von beiden ein Netto-Par erreicht. Das Handicap wird dabei voll einberechnet (oder vorher verhandelt). Die beiden erzielten Netto-Ergebnisse bilden zusammen eine zweistellige Zahl. Bei Erreichen eines Netto-Pars oder besseren Resultats wird die niedrigere Zahl nach vorne gestellt (z.B: 48). Spielt das Team kein Netto-Par, wird die höhere Zahl nach vorne gestellt (z.B: 85). Die zusammengesetzten Ergebnisse beider Teams  werden im Anschluss verglichen. Die Differenz wird in Punkten ermittelt. Pro Punkt wird vor Spielbeginn ein Betrag vereinbart (z.B. 1 Euro). 

Bei Chicago wird gerne nach sechs Löchern das Team gewechselt, damit jeder einmal mit jedem spielt. Außerdem kann man Pressen mit einbauen: Vor dem Loch darf das zurückliegende Team den Einsatz verdoppeln. Statt einem Punkt zählt auf diesem Loch jede Differenz zwei Punkte. Achtung: Je nach Betrag kann dieser Zock schnell sehr teuer werden. Meistens wird das maximale Einzelergebnis auf 9 begrenzt.

Zudem gibt es noch eine leicht entschärfte Version, bei der immer der niedrigere Score nach vorne kommt. Dadurch sind die Differenzen generell niedriger – und der Druck ist nicht ganz so hoch.  


Michael Jordan, verewigt auf einer Hauswand
Basketball-Legende Michael Jordan, verewigt auf einer Hauswand. Mittlerweile spielt Jordan lieber Golf (© Foto: Unsplash)

Alles nur Peanuts!

 

"Warum solltest du Golf spielen, wenn nicht um Geld", so die Aussage von Charles Barkley in der Dan Patrick Show. Der Ex-Basketballer, der wohl über den skurrilsten Schwung aller Golf-Promis verfügt (hier zu sehen), bezog sich vor allem auf seinen Landsmann Michael Jordan mit dem er zusammen in der als Dream Team benannten Olympiamannschaft die Goldmedaille 1992 in Barcelona gewann. Allerdings waren die Summen, um die "Sir Charles" spielte, etwas bescheidener als die von "His Airness".

 

Sogar wenn die beiden zusammen auf dem Platz unterwegs waren. "Damals spielten wir mit gewissen Leuten und zockten um ein paar hundert Dollar pro Loch. Aber er spielte mit einem Typen um 100.000 Dollar!" Einmal ging es sogar so weit, dass Jordan Barkley seinen Zwei-Meter-Putt schenkte, da dessen Ball in seiner Linie lag und er nicht länger auf das Markieren warten wollte. Denn bei dem Putt, den Jordan im Anschluss spielte, ging es um unglaubliche 300.000 Dollar. Barkleys Einschätzung: "Das war verrückt. Ich habe nie verstanden, warum sie um so viel spielen." Andererseits sind selbst sechsstellige Beträge für die ehemalige Nummer 23 der Chicago Bulls nur Peanuts. Jordans Vermögen wird von Forbes auf rund 1,9 Milliarden Dollar geschätzt. 

 

P.S: Ich habe MJ beim 41. Ryder Cup in Hazeltine live behind the Ropes gesehen, als er plötzlich neben mir herlief. Ich sah erst seine Hände, groß wie Bratpfannen, ehe ich zu meinem Jugendidol aufblickte. Neben ihm tauchte dann auch noch Fred Couples auf. Definitiv einer meiner besten Tage auf einem Golfplatz. 

Bali Hai Golf Club in Las Vegeas
Ich war vor langer Zeit mal für das Golf Journal in Las Vegas auf einem Golf-Trip. Bali Hai war einer der Kracher-Plätze (©Foto: Gabor Ekecs)

Vier Runden in Vegas

 

Eigentlich gilt: What happens in Vegas, stays in Vegas. Wenn professionelle Poker-Spieler involviert sind, wird aber ganz gerne geplaudert, denn die Herren haben meist ein großes Ego und brüsten sich mit waghalsigen Wetten. So wie diese, die Erick Lindgren in 2007 einging.

 

Herausgefordert hatten ihn Gavin Smith, Phil Ivey und ein paar weitere Kartenspieler bei der World Series of Poker. Und so sah die Wette aus: Lindgren, damals 31 Jahre alt, muss an einem Tag vier Runden von den hintersten Abschlägen auf dem Kurs Bear's Best spielen und dabei in jeder Runden unter 100 bleiben. Zudem galt: Schläger tragen und laufen, was bei den Cart verliebten Amis generell eher nicht die Regel ist. Die Poker-Jungs setzten auf den Spaß dann noch lockere 340.000 Dollar! 

 

Lindgren, Spitzname E-Dog, startet also an einem heißen Junitag um 5.45 Uhr seine erste Golfrunde auf dem 6.578 Meter langen Kurs, der von Jack Nicklaus entworfen wurde. Die ersten beiden Runden bewältigte der Poker-Pro mit 85 und 87 Schlägen bravourös. In Runde drei tat er sich dann bei bis 41 Grad Hitze deutlich schwerer und schaffte es mit einer 94 gerade so, die 100 zu unterbieten. Die Schlussrunde wurde schließlich zur richtigen Herausforderung. 48 Zähler standen nach den Front Nine auf der Karte. Doch Letztlich schaffte er eine 96 – und blieb damit auch in Runde vier unter dem gesetzten Limit. Insgesamt spielte Lindgren 14 Stunden Golf. 

Was man mit 50 Dollar anstellen kann

 

Der australische Sportmoderator Luke Elvy veröffentliche 2016 einen Wettschein – übrigens nicht seinen eigenen – der ein ganz besondere Wette zeigte. Der nicht bekannte Käufer der Wette hatte 50 US-Dollar darauf gesetzt, dass sowohl Henrik Stenson die Open Championship als auch Aaron Baddeley die parallel zum Major stattfindende Barbasol Championship gewinnen würde. In Fachkreisen heißt so ein Konstrukt Kombi-Wette: Nur wenn beide Einzelwetten gewonnen werden, gewinnt man insgesamt.

 

Da die Wahrscheinlichkeit deutlich sinkt, sind auch die Gewinne höher. Für Stenson (34:1 auf einen Sieg) und Baddeley (51:1) gab es somit eine Quote von 1.734:1.

 

Und was passierte? Stenson gewann im schottischen Ayrshire gegen Phil Mickelson seinen ersten Major-Titel – und der Australier Baddeley siegte in den USA im Stechen gegen Kim Si-woo.

 

Der Wettschein für 50 Dollar war damit stolze 86.700 Dollar wert!

Tin Cup Poster
Phil Mickelson hatte eine kleine Gastrolle in Tin Cup. Und Flop-Shots kann er wie kein anderer ...

Die Tin-Cup-Wette

 

Phil Mickelson war einer der Pros, der im Hollywood-Streifen "Tin Cup" von 1996 kurz zu sehen war. Die Hauptrolle spielten aber Kevin Costner, Don Johnson, Rene Russo und Cheech Marin. Letzterer spielte im Film McAvoy’s Caddie Romeo und erzählte Golf.com eine schöne Anekdote.

 

"Wir waren gerade zwischen zwei Szenen und standen zusammen rum, als einer von uns auf eine Wette kam. Da stand diese wirklich riesengroße Kiefer und irgendwer sagt zu Phil Mickelson:

 

'Ich wette, dass du es nicht schaffst, einen Ball zu droppen und über diesen Baum zu schlagen'. Der Ball musste eigentlich direkt senkrecht nach oben starten. Jeder warf 100 Dollar in den Pott, wir kamen insgesamt auf 1.200 Dollar, wenn ich mich richtig erinnere. Und er hat's gemacht. Als der Ball noch in der Luft war, hat sich Mickelson schon nach vorne gebeugt und das Geld in seine Tasche gesteckt." PS: Der Film ist sehenswert. 

Ryder Cup 2016 in den USA
Tolle Stimmung beim Ryder Cup 2016 in der Nähe von Minnesota

Auf der ganz großen Bühne

 

Wer in Gottes Namen ist David Johnson? Das werden sich auch Justin Rose, Henrik Stenson und Rory McIlroy auf ihrer Einspielrunde für den Ryder Cup 2016 in Hazeltine gefragt haben. Nachdem das Trio mehrfach an einem Putt aus rund vier Metern gescheitert war, was beim US-Publikum zu hämischen Kommentare führte, wurde es Team Europe zu bunt. Sie baten einen der lautesten Störenfriede auf das Grün – und Rose bot ihm sogar an, dass er 100 Dollar bekäme, sollte er den Putt verwandeln.

 

Der Mann im zu großen Sweater mit den verwaschenen Jeans schnappte sich einen Putter, las einmal kurz die Linie und lochte den Ball mit ordentlich Speed einfach ein. Danach kam die Faust – und der tosende Jubel der in rot gekleideten Ryder-Cup-Fans. Plus Handshakes mit den Europäern. Die 100 Dollar waren da eher Nebensache. Das Video wurde auf Twitter übrigens mehr als vier Millionen Mal geklickt!

Dollar oder Pfund - das war die Frage?  (Bild: ©Unsplash)
Dollar oder Pfund - das war die Frage? (Bild: ©Unsplash)

Wehe dem Wechselkurs

 

Phil Mickelson ist nicht nur ein spektakulärer Spieler, sondern auch ein großer Zocker. Und zwar in allen Belangen. Als "Lefty" im Vorfeld einer British Open eine Proberunde spielte, gesellten sich seine Landsleute Dustin Johnson und Nick Watney dazu. Mickelson handelte einen für seine Verhältnisse harmlosen Zock aus: Der Verlierer zahlt einen Tausender.

 

Watney, eher keiner, der außerhalb seines Profialltags gerne um Geld spielt, wollte nicht als Spielverderber dastehen und willigte ein. Natürlich zog er den Kürzeren und verlor gegen Mickelson.

 

Spielschulden sind bekanntlich Ehrenschulden. Also kramte er auf dem 18. Grün 1.000 Dollar in Scheinen aus seinem Bag, murmelte etwas von Glückwunsch und überreichte das Bündel. Mickelsons Kommentar? "Wir sind in Großbritannien. Hier sind es Pfund." Mickelson nahm dann doch Dollar, allerdings zum damaligen Kursverhältnis. Das machte dann 1.700 Bucks. 

Putt Golf
Ein Putt, der zur self-fulfilling prophecy führt? (Foto ©Unsplash)

Die selbsterfüllende Prophezeiung

 

Players Championship, Proberunde, TPC Sawgrass, 12. Grün. Brendan Steele und Keegan Bradley sind 2 auf gegen Rickie Fowler und Phil Mickelson. Gespielt wird ein Bestball-Format, der bessere Score pro Team kommt in die Wertung. Wie beim Ryder Cup.

 

Das einzige Problem, insbesondere für Bradley: Er hat seit eineinhalb Jahren immer verloren, wenn es gegen seinen Kumpel Mickelson geht. Jedes mal hieß es für ihn: zahlen, bitte. Wird diesmal alles anders? Die Chancen stehen gut. Bradley hat einen Vier-Meter-Putt zum Birdie, Mickelson liegt etwas weiter weg. Gleiche Linie.

 

Als er über dem Ball steht, blickt er plötzlich auf, geht zurück und sagt: "Oh mein Gott. Bei diesem Putt geht es um das  Match." Bradley kontert: "Warum das denn?" Genau die Reaktion, die sich "Lefty" erhofft hat. Denn nun führt er weiter aus: "Nun, wenn ich den Putt daneben schiebe, machst du deinen. Es läuft gerade bei euch, ihr seid im Flow. Ihr seid dann 3 auf mit sechs Löchern zu gehen. Das gewinnt ihr locker. Aber wenn ich den Putt mache, wird dein Ball unterhalb am Loch vorbeilaufen. Du wirst so angefressen sein, dass ihr beide das Loch abgegeben habt. Im nächsten Moment sind wir gleich auf und Rickie und ich haben das Momentum. Wir machen ein oder zwei Birdies auf den Schlusslöchern und schlagen euch 2 und 1." Sieht so wirklich die berühmte self-fulfilling prophecy aus?

 

Mickelson puttet und locht. Bradley verpasst seine Birdie-Chance, der Ball endet unterhalb des Breaks. Genervt machen die Führenden je zwei Bogeys in Folge und sind plötzlich all square. Mickelson/Fowler notieren im Anschluss drei Birdies in Folge und gewinnen 2 und 1. 

 

Kein schlechter Tipp, wenn man beim Matchplay die Psyche seines Gegners testen möchte. Darauf nochmal Mr. Mickelson. "Es war einfach zu witzig. Und es geht nicht ums Geld. Ich liebe es einfach, ihm das immer wieder unter die Nase zu reiben, wenn wir uns sehen." 


SPIELFORM: Skins (Game)

Skins Game war mehr als 25 Jahre ein fixer Bestanteil der PGA Tour, allerdings zählte das Preisgeld nicht für die Money List. Fred Couples machte sich als "Mr. Skins" einen Namen, denn er gewann bei elf Starts 77 Skins und mehr als 4,4 Millionen Dollar Preisgeld. Aber was ist denn nun ein Skin

Das Spiel geht so: Drei oder vier Spieler treten gegeneinander an. Jedes Loch wird für sich im Matchplay-Fomat gespielt. Der beste Score gewinnt das Loch, der Gewinn wird als Skin bezeichnet. Dabei wird für jedes Loch ein Wert festgelegt. Normalerweise haben alle Löcher den gleichen Wert. Aber wer es kompliziert mag, kann auch unterschiedliche Werte festlegen. Zum Beispiel doppelte Beträge für Par-5-Bahnen oder die Schlusslöcher.

Jetzt aber zum ungewöhnlichen Part: Wenn sich zwei Akteure den besten Score teilen, dann wird der Skin auf das nächste Loch geschoben. Der Betrag verdoppelt sich also (oder wird erhöht, wenn mit unterschiedlichen Werten gespielt wird). Und die übrigen Spieler, die das Loch zuvor ein höheres Ergebnis abgeliefert haben, sind wieder voll mit dabei. Es ist also möglich, dass ein Spieler fünf Löcher lang mitgezogen wird und kein einziges Loch wirklich gut spielt, dann aber mit einem Birdie den Pott abräumt. 

Bei unterschiedlichen Handicaps kann mit Vorgabe gespielt werden. Hierbei wird der beste Spieler auf 0 gesetzt und die anderen bekommen im Verhältnis auf den schwersten Löchern ihre Vorgabe.

Der Einsatz pro Bahn ist ein Geldbetrag. Zum Beispiel 5 Euro. Wenn vier Spieler "Skins" spielen, gibt es pro Loch 15 Euro für den Gewinner zu holen. Jeder Verlierer zahlt 5 Euro. Abgerechnet wird pro Loch, der Wert der Skins wird jeweils oberhalb des Scores notiert.